25. September 2012

Radwege Ziegenhain

Seit einigen Wochen sieht man in der Festung Ziegenhain viele Plakate mit diesem Logo. Die Kampagne wurde vom Arbeitskreis Festung e. V. initiiert und wird von den Anwohnern, der Gastronomie und den Läden innerhalb der alten Festungsstadt unterstützt.


Der Schwerlastverkehr nimmt viel zu häufig die Abkürzung und meidet die Umgehungsstraße mit dem engen Kreisel bei Trutzhain, d. h. die Lkws fahren durch Loshausen und durch Ziegenhain. Eine schnelle Ortsdurchfahrt ohne Kreuzungen und ohne Fußgängerüberwege verspricht kürzere Fahrzeiten und begünstigt somit das Verlassen der Bundesstraße. Vom Ordnungsamt der Stadt Schwalmstadt wurden etwa 10 000 Pkws gezählt, die ebenfalls täglich durch die alte Festungsstadt fahren.

Die historische Wasserfestung Ziegenhain ist ein bedeutendes Gesamtdenkmal im Sinne des Denkmalschutzes. Wer einen Moment vor der Hauptwache steht, kann Besucher aus Japan mit ihren Kameras, Amerikaner in Shorts auf den Spuren ihrer Ahnen und auch manchen Wanderer oder Radtouristen sehen.

Wer allerdings die Straße vom großen zum kleinen Wallgraben überqueren will, um die Festung als Ganzes zu erleben, muss vor den Autos und Lkws schnell über die Straße springen können. Fußgängerüberwege in der Festung?  - Fehlanzeige!

Mehr und mehr Häuser in der Festung stehen leer, da sich keine Interessenten für alte Häuser finden, die diese renovieren und dann bei dröhnendem Verkehrslärm bewohnen wollen.

Bereits heute führen einige regionale und überregionale Radwanderwege über Schwalmstädter Gemarkung. Durch den neuen Bahnradweg, dessen letztes Teilstück (Treysa - Riebelsdorf) bald fertig gestellt wird und der am ehemaligen Südbahnhof an Ziegenhain vorbeiführt, ergeben sich weitere touristische Möglichkeiten für die Stadt. Doch dazu bedarf es entsprechender Voraussetzungen:

Über abmarkierte Radwege auf jeder Seite der Festungsstraße müssen die Radwanderer in die Stadt geführt werden. Die geforderte 30er Zone innerhalb der Festung kann ohne baulichen Radweg - aber eventuell mit sogenannten Schutzstreifen - gestaltet werden, da sich Fahrräder und Pkws bei niedriger Geschwindigkeit den Straßenraum in der Regel gefahrlos teilen können.

Dies bedeutet, dass      

  • die Verengung der Restfahrbahn (durch das Abmarkieren der Radwege) das schnelle Durchfahren der Stadt verhindert. Vor allem Lkws, aber auch viele Pkws werden dann eher auf der Umgehungsstraße bleiben.
  • abmarkierte, getrennte, beidseitige Radwege, z. B. entlang der Festungsstraße die Stadt Ziegenhain an die touristischen Radrouten, z. B.  den überregionalen Bahnradweg anschließen. Gleichzeitig wird dadurch  auch der südliche Stadtteil für den Alltags-Radverkehr besser angebunden. 
  • durch begrünte Mittelinseln (anstatt der schraffierten Flächen) die Geschwindigkeit des Durchgangsverkehrs reguliert wird. Der breite Straßenraum wird optisch strukturiert und durch eine Bepflanzung verschönert.
  • benutzungspflichtige Radwege in der Festung entfallen würden, wenn hier eine 30er Zone eingerichtet wird, da sich Fahrräder und Pkws bei geringer Geschwindigkeit den Straßenraum gefahrlos teilen können.
  • Fußgängerüberwege in der Festung die gefahrlose Überquerung der Fahrbahn durch Bewohner und Besucher ermöglichen können.

Bündnis 90/Die Grünen fordern schon seit geraumer Zeit ein neues Verkehrskonzept für die historische Wasserfestung Ziegenhain. Sie unterstützen die Vorstellungen des Arbeitskreises Festung, der Ziegenhainer Gastronomie, der  Anwohner und Geschäftsinhaber. Der Anschluss Ziegenhains an den Bahnradweg muss aus touristischen und ökonomischen Gründen unbedingt und bald erfolgen. Ziegenhain ist flach und daher für den Radverkehr besonders geeignet. In allen Städten, in denen Radwege ausgebaut wurden, hat sich der innerstädtische Radverkehr vervielfacht, der motorisierte Verkehr deutlich reduziert und die Aufenthaltsqualität für Anwohner und Besucher stark verbessert.